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Ich möchte mich ganz, ganz herzlich für die zahlreiche Unterstützung bedanken, ohne Euch wäre diese Chronik nicht so umfangreich geworden!
Ein ganz besonderer Dank geht an K.H. Stockhorst, Ulli Tückmantel, Harald Molder (Zeitzeugenbörse),
an K.H. Jordaan, Buggy Münster, Klaus Metzdorf, und Kurt Dittmann!
Das um 1810 errichtete Gebäude trug damals den Namen Bernshof. 1913 wandelte Arnold Großterlinden, ein Bruder der Familie Großterlinden, die auch die Gründer der Dorfbrauerei Rheingold mit Sitz
in der Restauration Schumachers waren, den Hof in eine Restauration und Gartenwirtschaft um. Beliefert wurde die Wirtschaft mit dem traditionellen Rheingoldbier der Familie.
Hinter dem Schankraum befand sich in einem kleinen Raum Deutschlands kleinstes Programmkino. Direkt vor einer Leinwand standen ca. 30 - 40 Stühle, der Raum war verqualmt und überhitzt, aber die Atmosphäre war einzigartig.
Die Stühle stammten teilweise aus dem ehemaligen Capitol-Theater Rheinhausen, das 1980 geschlossen wurde.
Man saß sozusagen mitten im Film, und ich erinnere mich, bei der Vorführung des Films 'Carmen' mit den Beinen mitgetanzt zu haben, ich war völlig im Film. Die Intensität der Filme war durch die Nähe zur Leinwand immens.
Täglich wurden 2 - 3 Filme vorgeführt, die dann wöchentlich wechselten.
Ein herzerfrischender Beitrag von Herr Ulli Tückmantel. Allerherzlichsten Dank dafür!
Natürlich musste er das erste Internet-Café Deutschlands haben, und das Fernsehen dokumentierte es. Selbst bei Wikipedia überdauerte das Datum 12. Oktober 1994 Hajo Wieses Friemersheimer “Dorfschenke“, die zehn Jahre später dicht machen musste. Der Mann, der sie erfunden
und 26 Jahre betrieben hat, in ihr das kleinste Programmkino und schließlich das erste Internet-Café Deutschlands betrieb, wurde im Oktober 2004 zwangsgeräumt. Heute (14. November) vor drei Jahren ist Hajo Wieso gestorben. Die bei ihm soffen und an seiner Theke in die Schule
des Lebens gingen, trauern bis heute um ihn.
Ich gehörte nicht zur Friemersheimer In-Group. Ich war in Hajo Wieses Dorfschenke nicht mehr als ein Tourist. Eins der (wenigen) Düsseldorfer Cabrios auf dem Parkplatz. Ich habe in seinem berühmten Kleinst-Kino keinen einzigen
Film gesehen. Und als ich sein Internet-Café mit den drei Rechnern “Tomate”, “Paprika” & “Zitrone” (an der Theke gab es entsprechende Eier-Uhren, man kaufte ein Online-Zeitbudget) 1995 zum ersten Mal betrat, war ich enttäuscht. Schlechter Kaffee, Windoof-Rechner, keine Macs, Kerzen
daneben (oh Mann). Immerhin: Anders, als am 12. Oktober 1994, funktionierten sie. Damals hatte Hajo Wiese die Fernsehleute schlicht geleimt: Was sie auf den Bildschirmen gezeigt bekamen, war kein echtes Internet, sondern bloß ein Fake. Doch das änderte er schnell. Und in der - sagen wir
mal: gut gefüllten - Wohnung über der Kneipe schraubte Wirt Wiese völlig chancenlos an der Internet-Zukunft. Aber wie er es tat, war einzigartig. Vom ersten Moment an wusste ich: Dass ist einer von der Handvoll Typen, an die Du Dich zeitlebens erinnern wirst.
Wenn man nicht einmal 30 ist, weiß man nicht, dass die Zeit wirklich vergehen wird und mit ihr auch Menschen und Orte. Bis es soweit ist, hat man davon nur gehört. 1999 zog ich in Wieses weiträumigere Nachbarschaft, aber die Besuche in der Dorfschenke wurden seltener. Sie war ja da, immer eine Option.
Und irgendwann stand ich dann Jahre später auf dem Damm in Friemersheim. Die Dorfschenke war weg. Wiese war weg. Ein Fotostudio eingezogen, daneben Reihenhäuser. Besserverdienendes Bionade-Biedermeier, wo früher höllisch gesoffen und teuflisch gequarzt wurde. Wahrscheinlich nutzten sie Macs.
Ich habe nicht geklingelt. Ich bin nach Hause gefahren und ins Internet gegangen.
Das Foto oben stammt von einem WDR-Beitrag über die Dorfschenke; es ist das einzige, das ich im Netz gefunden habe, das die drei Rechner zeigt. Die ganze Skurrilität des ersten Internetcafés in der Dorfschenke kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Von der A57 aus Richtung Süden kommend,
fuhr man unter dem bedrohlichen Gewirr aus Rohren und Leitungen des Bayer-Werks durch, den Medien des Industriezeitalters, um dann vor einer uralten Kneipe zu stehen, in der drei rappelige Rechner das Tor zu einer neuen Welt markierten. Und dahinter der Rhein, das Hauptstromkabel Europas. Unfassbar, dass es das nicht mehr gibt.
Ich habe nie wieder einen vergleichbaren Menschen kennengelernt!
Ein paar Monate vor seinem Tod fachsimpelten wir noch durch den Äther über die Zukunft des Internets....und dann... nix mehr
Auch hier nochmal einen Gruß an Dich, wo auch immer Du sein magst!
Hans-Joachim Wiese (*20. September 1940 in Rheinhausen; † 14. November 2007 in Duisburg) war ein deutscher Gastronom, Internetpionier sowie Veranstalter von Kunstausstellungen und Jazz - Konzerten.
Wiese, der Pädagogik sowie bei Josef Pieper und Josef Ratzinger Philosophie studiert hatte, war ursprünglich Lehrer. 1966 gründete er die Städtischen Sammlungen Rheinhausen, eine Reihe von Kunstausstellungen, deren Nachfolgeveranstaltungen bis heute in der Rheinhausener Händelstraße stattfinden.
In den acht Jahren, die Wiese die Städtischen Sammlungen Rheinhausen leitete, nahmen unter anderem Joseph Beuys, Günther Uecker, Hans Arp, Norbert Kricke, Michel Seuphor undHannah Höch an der Ausstellungsreihe teil.
1978 übernahm Wiese die historische Dorfschenke in Friemersheim; 1980 richtete er dort das mit 32 Plätzen seinerzeit kleinste Programmkino Deutschlands ein, das zugleich das bundesweit kleinste Kino war, welches mit vollformatigen 35-mm-Kinofilmen bespielt wurde.
Der kulturell engagierte Wiese holte ungewöhnliche Künstler zu Auftritten in seine Gaststätte. Im Jahre 1990 etwa trat dort das Große Sinfonieorchester des sowjetischen Rundfunks unter Leitung von Wladimir Iwanowitsch Fedossejew auf.
Sein starkes Interesse an Computern und dem Internetbrachte Wiese dazu, seine Gaststätte am 12. Oktober 1994 zum ersten Internetcafé Deutschlands zu machen, indem er seinen Gästen drei öffentliche Internet- Terminals zur Verfügung stellte.
In den späten 1990er Jahren veranstaltete Wiese in Friemersheim eine Reihe von Jazz - Konzerten, bei denen unter anderem Ali Haurand, Wilton Gaynair, Reiner Winterschladen, Henning Berg, das European Jazz Quintet und Helge Schneider auftraten.
Nach dem Jahr 2000 geriet Wiese zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten und konnte die Miete für das Gebäude der Dorfschenke, das der Stadt Duisburg gehört, nicht mehr begleichen. Im Oktober 2004 wurde die Gaststätte zwangsgeräumt und Wiese musste sich von seinen Aktivitäten zurückziehen.
(Quelle: Academic)